Sonntag, 31. Januar 2016

Hauke Haien


Hauke Haien ist der Sohn eines Landvermessers und Kleinbauerns. Er lebt weder in besonders wohlhabenden Verhältnissen, noch muss er unter Armut leiden. Bereits früh hat er ein Interesse an den Naturwissenschaften, was für seine Altersgruppe und seine Umgebung nicht typisch ist. Er wird als „langer, hagerer Bursche“ beschrieben, der gewissenhaft ist. Er führt ein Leben voller Arbeit, ist dabei aber nicht unzufrieden. Eigentlich ist er sehr gründlich, aber er machte inen entscheidenden Fehler. Als es dazu kommt, dass der alte Deich einen Schaden hat, belässt er es bei der oberflächlichen Begutachtung und bei dem Glauben, dass der Deich halten würde. Hier wurde der starke Mann schwach, da er sich nicht der Kritik des Dorfes aussetzen wollte, die die Kosten der Instandsetzung mit sich bringen würden.

Kapitel 2
Hauke ist sehr fleissig und klug. Er ist bereits seit seiner Jugend an Mathematik interessiert und macht sich sogar die Mühe den Euklid aus dem Holländischen ins Deutsche zu übersetzen, um diesen Verstehen zu können. Sein Interesse für den Deichbau setzt er auch gegen den Willen seines Vaters durch, dieser betrachtet die geistige Haltung seines Sohnes mit leichter Skepsis. Hauke baut bereits früh Modelle der Deiche und erkennt, dass die Deiche nicht gut aufgebaut sind, sondern zur Wasserseite zu steil sind.  Er ist geistig sehr aktiv und interessiert und zieht die Zeit am Deich der Gesellschaft von Gleichaltrigen vor. 
Kapitel 3
Er ist abergläubisch, so sieht er im Wattenmeer Erscheinungen, welche er als Geister interpretiert. Hauke verkehrt lieber mit Wind und Wasser und Einsamkeit als mit Gleichaltrigen.

Er hat ein Auge auf Elke geworfen, der Tochter des Deichgrafen. Er ärgert sich, dass der Oberdeichgraf Lob für den Deichgrafen hat, da er findet, dass er viel dazu bei getragen hat. Hauke ist gut in Mathematik und übernimmt darum schon alle wichtigen Berechnungen für den Deichgrafen, auch wenn er nur Kleinknecht ist. Dies macht ihn sehr unbeliebt beim Großknecht Ole Peters, der sieht das Hauke all das macht, was der Deichgraf selbst machen sollte oder müsste. ( Kapitel 5).

Er lässt sich widerwillig zur Teilnahme am Boßel Tunier überreden, auch wenn er fürchtet durch Ole Peters, der dort als Schiedsrichter fungiert, ungerecht bewertet zu werden. Elke schafft es ihn zu motivieren ( Kapitel 6).

Hauke focusiert sich auf sein Ziel, Deichgraf zu werden, immer fester. Er beginnt sich im Laufe der Zeit auch immer mehr seine Gefühle für Elke zu entdecken. Jedoch entwickelt er auch einen Argwohn gegen andere Menschen, er merkt, dass viele Leute gegen ihn sind. Man kann sagen, dass Hauke ausdauernd ist, da er sowohl an Elke als auch an seinem Plan Deichgraf zu werden über Jahre festhält. Er lässt sich auch nicht von anderen Verlockungen ablenken. Zudem kann man behaupten, dass er sehr pflichtbewußt ist „es schien ihm selbstverständlich, die Arbeit von Elkes Vater mitzutun.“ ( Kapitel 8).

Zu Beginn des 9. Kapitel ist Hauke 24 Jahre al. Er wird in diesem jungen Alter Deichgraf und dies wird er, da sich Elke bei der Beerdigung ihres Vaters stark für ihn einsetzt. Er selbst ergreift dabei nicht Partei, sondern lässt Elke die Wortführung.

Als er die Stellung des Deichgrafen übernommen hat arbeitet er viele Rückstände auf und macht ersteinmal Grund in das Geschäft, das er von Elkes Vater übernommen hat. Er arbeitet sehr hart und ist aber dabei zufrieden. Er regt sich über das Geläster, welches im Dorf über ihn statt findet, auf, jedoch kann Elke ihn beruhigen. Diese Lästereien regen ihn sogar so sehr auf, dass er beschließt es allen zu zeigen und das er die ehrgeizige Pläne mit dem Deichbau schmiedet. ( Kapitel 10).


Nachdem er den Plan der Eindeichung gefasst hat, geht er zunächst auf Nummer sicher. Er durchdenkt alles sehr sorgfältig und gründlich und arbeitet die Pläne genau aus. Er will sich sicher sein, bevor er irgendwelche Anträge stellt. Er reicht seine Pläne erst ein, nachdem sie gut durchgedacht sind ( Kapitel 11 ).

In Sachen Deichbau bleibt er schließlich dran und hinterfragt auch seine Gedanken kritisch. Er vertraut auf Gott und hofft, dass dieser ihm und Elke noch ein Kind schenken möge. Man erkennt, dass er sehr tierlieb ist, so kauft er einen alten Schimmel, obwohl dieser ihm zunächst kränklich erscheint und wünscht sich, dass dieser gedeihen möge und sich gut entwickeln möge ( Kapitel 12 ).

In der Bevölkerung mehren sich die kritischen Stimmen gegen ihn, dies erschöpft ihn sehr. Er legt bei den Abstimmungen dennoch Wert auf die Neutralität der Geschworenen, auch wenn er deren Entscheidungen zu seinen Gunsten beeinflussen könnte. Dies zeigt, dass Hauke die Regeln der Gemeinschaft und dessen Gedeihen über die eigenen Interessen stellt. Er freut sich außerdem über die Fortschritte seines Projektes und übernimmt für das Gedeihen auch Verantwortung ( Kapitel 13).

Hauke bangt sehr um seine Frau, als diese im Kindbettfieber liegt. Dies lässt ihn sogar zu Gott beten, weil sie das Wichtigste für ihn sei. ( Kapitel 14).

Als man schließlich nicht nur schlecht über ihn redet, sondern auch noch gegen ihn predigt, hat er Angst, dass Elke ihn verlassen könnte und versichert sich ihrer Treue. Er braucht hierbei noch ihre Bestätigung. Die Kritik aus der Gesellschaft lassen ihn einsam werden und leicht verbittern. Als die Arbeiter einen lebenden Hund in den Deich einbauen wollen, setzt sich Hauke persönlich für dessen Überleben ein und nimmt ihn sogar zu sich. Er schenkt ihn seiner Tochter Wienke. Hier sieht man wieder deutlich wie tierlieb er ist ( Kapitel 15), auch wenn das Leben eines streunernden Hundes bei seinen Männer Nichts gilt.

Hauke vereinsamt immer mehr, er lebt mit seiner Frau glücklich, hat aber sonst kaum Kontakte ( Kapitel 16).

Er liebt seine Tochter, obwohl diese schwachsinnig ist und er muntert auch Elke auf, wenn diese über diesen Umstand betrübt ist. Er hasst es, dass Trine seiner Tochter Sagen erzählt und mag solche Abergläubischen Erzählungen nicht hören. Im Gegenteil, er merkt an „Gott ist überall“. Die Angst seiner Tochter vor dem Wasser ist ihm fremd ( Kapitel 17).

Bereits als er den Deich begeht hat er eine Ahnung der kommenden Ereignisse, ihm ist jedes Mal ungut zu Mute, wenn er über die ausgebesserte Stelle am Deich geht. Die Krankheit, das Marschfieber, unter der er litt, hatte ihn jedoch so nachhaltig geschwächt, dass er sich nicht in der Lage sah Ole Peters von den Lahnungen zu überzeugen. Statt dessen gibt er, entgegen seiner Überzeugungen nach. Er sieht beim zweiten Mal, als er den Deich ansieht, auch die Schäden am Deich als nicht mehr so gravierend an. Hier kann man sagen, dass ihn seine Urteilsfähigkeit und sein einst vorhandener Elan verlassen hat und das er nun geschwächt war ( Kapitel 18 ).

Als der Deich bricht gibt er sich als erstes die Schuld an dem Unglück und sieht darin sein eigenes Versagen ( Kapitel 20 ).

Hauke kann man als liberalen und fortschrittlich denkenden Menschen bezeichnen, dies isoliert ihn von der konservativ denkenden Bevölkerung, die sich dem Aberglauben verschrieben hat. Er muss gegen diese Menschen ankämpfen und kann den herrschenden Glauben und Aberglauben nicht akzeptieren.- ER ist der Vertreter der Naturwissenschaften und des Realismus in der Novelle der Schimmelreiter. So wehrt er sich denn auch gegen den Aberglauben, dass man etwas Lebendes in den Deich eingraben müsse, jedoch erfüllt er paradoxerweise diesen Aberglauben selbst, indem er sich als Opfer in die Fluten wirft, nachdem der Deich gebrochen ist.

Die Hauptfigur ist nicht in der ganzen Erzählung gleich, vielmehr durchläuft Hauke verschiedene Entwicklungsstufen, die zum Aufstieg und darauf hin zum Abstieg führen. Zunächst ist er ein einfacher Mann mit einer mittleren Bildung und entwickelt sich durch eigene Kraft und eigene Mühen zu einem gelehrten Mann. Er eignet sich selbst die Basis für seinen späteren Erfolg an. Im Verlauf der Novelle muss sich Hauke mehrfach beweisen und steht immer wieder vor sehr schweren Aufgaben. Er wird zwar von seinem Vater zunächst an körperliche Arbeiten heran geführt, da diesem das geistige Interesse Haukes ein Dorn im Auge ist, jedoch bleibt Hauke seiner Neigung zu geistiger Arbeit treu. Er wird durch seine intellektuelle Leistungsfähigkeit zwar beruflich erfolgreich, indem er Deichgraf wird, jedoch führt dies auch dazu dass er vereinsamt.

Hauke ist gewissenhaft und stellt seine Arbeit immer über seine Familie, was jedoch von Elke, seiner Ehefrau unterstützt wird. Er übernimmt bis zur letzten Seite des Buches Verantwortung für sein Handeln, so stürzt er sich am Ende in die Fluten, weil er sich schuldig am Niedergang des Deiches fühlt. Innerhalb der Ehe ist Hauke ein liebender und fürsorglicher Vater, auch wenn er anderen Menschen gegenüber zusehens Unmut empfindet und sich von ihnen abwendet. Er ist ehrgeizig und zielstrebig und auch sehr sorgfältig und genau, was man an seinen Planungen für den neuen Deich erkennen kann, die er einer gewissenhaften Prüfung unterzog bevor er sie einreichte. Zudem ist er ein Kämpfer, der erst aufhört, wenn er sein Ziel erreicht hat. Er kämpft gegen alle Widerstände und setzt sich auch mit dem schweren Thema Mathematik auseinander, sogar in einer Sprache, die ihm nicht geläufig ist. Nichts kann Hauke aufhalten.


Hauke hat jedoch neben der gewissenhaften Seite und der treusorgenden Art für seine Familie da zu sein auch eine Schattenseite. Er ist misstrauisch und mag die anderen Menschen in seiner Umgebung nicht, außerdem ist er launisch und meidet den Kontakt zu seinen Mitmenschen. Hinzu kommt dann noch, dass er aggressiv ist. So bewirft er nicht nur Strandläufer mit Steinen in seinen ersten Lebensjahren, sondern erwürgt auch noch den weißen Angorakater von Trine Jahn. 

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