Dienstag, 5. Januar 2016

Deichbau in Nordfriesland Hintergrundinformationen zu Der Schimmelreiter

Deichbau in Nordfriesland
Der Deichbau hat im Norden Deutschlands eine lange Tradition. Bereits 1000 n Chr. Gab es schwere Fluten vor der Nordsee, die einen Deichbau erforderlich machten. Die Deichbauarbeiten konnten nur per Hand erfolgen und es war auch nur in den Sommermonaten möglich am Deich zu arbeiten. Damals gab es hauptberufliche Deichbauer, die immer von Baustelle zu Baustelle zogen, meist handelt es sich hierbei um Holländer. Dabei kamen auch das Plattdeutsche und das Boßeln in den Norden.

Bevor die Holländer kamen und es professionellen Deichbau in Nordfriesland gab, sah es in Sachen Küstenschutz nicht gut aus. Die Deiche waren nur rund einen Meter hoch und es handelte sich um Sommerdeiche, die Flächen wurden im Winter und in den Zeiten der großen Herbsstürme hingegen vollständig überspült.

Im 15. Jahrhundert war es dann üblich die Sommerdeiche durch Stackdeiche zu ersetzen. Haien hätten die Haare zu Berge gestanden, hätte er diese Profile gesehen, denn sie boten dem Wasser eine maximale Angriffsfläche. Es handelte sich nicht um flach zulaufende Erdanhäufungen, wie dies bei den heutigen Deichen der Fall ist, sondern dabei hatten die Stackdeiche eine Wand aus Holz zur See hin, welche steil zulief.

Als 1634 die zweite große Mandränke viele Todesopfer forderte versuchte man an der von Verlusten gezeichneten Küste neue Wege zu gehen. Jetzt bekamen die verarmten Bauern Angst vor der See, Deichbau Projekte wurden angestrebt und Investoren gesucht. Diese fand man in Holland, wo es schnell zu einem lukrativen aber riskanten Geldanlagemodell wurde in den nordfriesischen Deichbau zu investieren. Die Investoren wurden hofiert, sie kriegten Sonderrechte un gute Renditen, die Köge waren gute Anlagegebiete.

Mit den Niederländern kamen auch technische Neuerungen, so wurde die Schubkarre nach Nordfriesland gebracht und es gab Entwickler, die sich über die Aufmachung der Deiche Gedanken machen.
Die Profile der Deiche veränderten sich im Laufe der Zeit, so wie man dies auch im Schimmelreiter findet. Hier ist es Hauke, der neue Deichprofile ins Spiel bringt. Johann Claussen Rollwagen war es, der flache Profile für den Deichbau wollte.
Die neuen Techniken machten es möglich, dass man Landflächen komplett eindeichen konnte. Dies begründete sich auch dadurch, dass man Techniken fand, um die geschaffenen Kööge zu entwässern. Große Deichbauarbeiten erforderten aber auch große finanzielle Mittel, sie waren so teuer, dass es einem einzelnen Bauern nicht möglich war die Kosten zu tragen. So schlossen sich die Landwirte zu Kirchspielen zusammen. In Dithmarschen nannte man solche Verbände Geschlechter. Aus den kleinen Deichbau Projekten wurden wirtschaftlich relevante Belange, die längst keine Privatsache mehr waren. Die kleinen Gemeinden allein konnten hier auch nicht mehr viel entscheiden.

So kam es, dass im Zuge der wechselhaften Geschichte des Lande sich auch der Dänische König Christian VII mit einem 1800 erschaffenen Gesetz dem Deichbau annahm. Er lies die Stackdeiche durch Schardeiche ersetzten.

Die technischen Neuerungen zogen nun auch in den Deichbau ein, die Technisierung brachte große Fortschritte in Form von Eimerbaggern, die durch Dampf angetrieben wurden. Viel Handarbeit wurde nun überflüssig und die Effektivität wurde stark erhöht.

Die politische Wirkung des Deichbaus blieb auch den Nationalsozialisten nicht verborgen. Sie machten den Deichbau zum Heimatschutz und wollten mit Hilfe der Landgewinnung neuen Lebensraum erschließen. Es wurden umfangreiche Berichte verfasst, welche zu Probaganda Zwecken ausgenutzt wurden. Damals gab es sogar einen Adolf Hiltler kOog. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden die Mittel für den Küstenschutz drastisch zurück gefahren, da die Gelder für Flüchtlinge und Wiederaufbau benötigt wurden. Erst die großen Fluten 1953 ( Hollandflut) und 1962 Hamburger Flut rückten den Deichbau wieder ins Bewußtsein.

Heute ist das Thema Deichbau wichtiger denn je. Die steigenden Temperaturen auf der Erde bewirken einen Anstieg des Meeresspiegels, ganze Küstenregionen sind von Überflutung und Landverlusten bedroht.




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