Samstag, 9. Januar 2016

Entstehung von Der Schimmelreiter

Die Quelle für die Sage vom Schimmelreiter fand Storm bereits mit 20 Jahren, als er die Geschichte von einem mysteriösen Reiter in der Zeitung las. Hierbei hatte die Sagen ihren Ursprung aber nicht in Norddeutschland, sondern es ging um einen gespenstischen Reiter, der aus der Danziger Dampfboot von 1838 stammt. Dort spricht man von einem schwarz gekleideten Mann, der auf einem Schimmel reitet. Der Erzähler der Sage befindet sich auch hier in einem Wirtshaus, genau wie dies beim Schimmelreiter der Fall ist.

Storm ist begeisterter Novellenschreiber, er hat sich schon früh mit dem Schreiben von Novellen beschäftigt und sich auch mit dem auseinander gesetzt, was eine gute Novelle ausmacht. Er fordert, dass die Novelle dem Drama entsprechen soll und misst der Novelle einen hohen Stellenwert in der Literatur bei. Seine Novellen brachten ihm großen Ruhm sein, so war seine Novelle Immensee bereits zu seinen Lebzeiten erfolgreich. Storms antifeudaler Stoff, den er im Schimmelreiter verarbeitete kam ihm schon zu seiner Jugendzeit.

Die Novelle der Schimmelreiter ist die letzte und größte Erzählung aus der Feder Theodor Storms, sie begleitete ihn über sehr lange Zeit seines Lebens, angefangen von den ersten Vorüberlegungen bis hin zum konkreten Schreiben. Er hatte bereits 1885 die ersten Pläne für eine Deichsage, wie er in einem Brief an seine Tochter schrieb. Jedoch begann er erst im Jahr darauf mit dem Schreiben. Im Laufe des Schreibprozesses erkrankt Storm zunehmend, er litt unter Magenkrebs, jedoch gelingt es ihm noch zu Lebzeiten die Novelle fertig zu stellen. Das Echo auf sein Schaffen konnte Storm aber nicht mehr genießen, er verstarb noch vor der Herausgabe der Buchausgabe.

Der Schimmelreiter, das ist die Altersnovelle von Storm, welche auch seinen nationalen Ruhm begründet. Zuvor schrieb er Chroniknovellen, die auf historischen Vorbildern beruhten, jedoch bleib er bei diesen wenig gesellschaftskritisch. Und das obwohl Storm sehr wohl ein politischer Mensch war, der Krieg zwischen Deutschland und Dänemark war für Storm selbst ein großes Thema.

Im Schimmelreiter findet man Storms gesamte Lebenserfahrung und Leseerfahrung, sein Wissen, seine Schreibkenntnisse und seine einundhalb Jahre andauernden Vorstudien gebündelt. Er lieh sich im Zuge der Vorarbeiten Fachlektüre für den Deichbau aus und studierte auch alte Karte. Er las und sammelte Märchen, Sagen und Geschichten, verfasste ebenso welche. Bereits als junger Anwalt in Husum hatte er einmal eine Sage von einem Mann gelesen, der am Stand entlang reitet. Dieser Stoff faszinierte ihn und lies ihn nicht mehr los. Das er beim Schreiben totkrank war, das kann man in den mystischen Zügen der Novelle nur erahnen. Sie trägt etwas Düsteres, etwas Morbides, etwas Mystisches in sich. In seinem Umfeld glaubte kaum jemand, dass es Storm gelänge die Novelle noch vor seinem Tod zu beenden, zweitweise war er durch den Krebs an sein Bett gefesselt und litt unter starken Schmerzen. Mit fast 71 Jahren verlor er dann den Kampf gegen den Krebs und der Schimmelreiter wurde sein letztes Werk, sowie zugleich die Krönung seines Schaffens. Noch immer Sommer 1887 hatte er unter unmenschlichen Schmerzen an dem 232 Seiten starken Manuskript gearbeitet, welches er dann an den berliner Verlag schickte. Am Ende jedoch entschied er sich den Schluß noch einmal auf seine heutige Form hin um zu ändern. Er raffte die Handlungen, entfernte wörtliche Rede und gab dem Ende mehr düstere Stimmung. Zudem lies er auch Hauke allein mit sich ins Gericht gehen und entfernte einige Personen, mit denen er ursprünglich am Ende einen Dialog verfassen wollte.


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