Freitag, 8. Januar 2016

Aberglaube und Naturwissenschaft im Schimmelreiter



Aberglaube gegen rationale Vernunft
Die Novelle hat als grundlegendes Merkmal den Umstand, dass in ihr ein Konflikt thematisiert werden kann. Im Falle von der Schimmelreiter ist dies der Konflikt zwischen dem rationalen Denken und der Wissenschaft und dem Aberglauben. Dieser Konflikt zieht sich nicht nur durch die gesamte Binnenhandlung, sondern wird sogar im zweiten Rahmen noch thematisiert.


Hier fordert der Deichgraf den Schulmeister auf die Geschichte von Hauke Haien zu erzählen. Dieser gibt aber zugleich zu verstehen, dass er den Erzählungen des Schumeisters, der eine Rückblende in die Mittel des 18. Jahrhunderts vornimmt, nicht ganz Folge leisten kann, da er findet, dass diesem der Sinn für das Übersinnliche abginge. Dem Deichgrafen ist der Schulmeister zu wissenschaftlich, zu rational und zu wenig an Übernatürlichen Dingen interessiert, als dass er ihm eine vollständige Erzählung der Ereignisse überlassen will. Denn die Novelle, als Erzählung des Schulmeisters, enthält Elemente, die eine Übersinnliche Interpretation zulassen.


In der Binnenhandlung treten mehrfach solche Übersinnlichkeiten auf. Selbst Hauke Haien, der als das Rationale in Person in der Novelle dargestellt wird, bleibt von solchen Wahrnehmungen nicht verschont. Er sieht in seiner Zeit als junger Mann Gestalten am Deich, diese sind nordischen Seegeistergeschichten ( zum Beispiel aus Norwegen ) nachempfunden.
Ansonsten ist Hauke aber ein Realist durch und durch. Er verbietet sowohl das Eingraben des Hundes in den Deich, obwohl dies zur damaligen Zeit durchaus üblich war, als auch die Erzählungen von Trine Jans an seine Tochter. Er verbittet sich jegliches übersinnliche Gerede in seinem Haus.
Trine Jahns scheint hellseherische Fähigkeiten zu haben, sie sieht die Katastrophe vor ihren halb blinden Augen auftauchen. Sie ist es auch, die der Tochter von Hauke, Wienke, die Sagen von den Wasserfrauen erzählt.
Carsten und Iven sehen auf Jeversand ein Pferdegerippe und schließlich einen weißen Schimmel über die Hallig laufen. Man vermutet in Haukes Schimmel eine Manifestation des Gerippe auf Jeversand und die abergläubischen Stimmen vermuten, dass in dem Schimmel etwas teuflisches zu finden ist.
Eine weitere Sache, die im Schimmelreiter auf Aberglauben beruht, ist der Wille der Deichbauer etwas Lebendiges in den Deich ein zu bauen. Dieser Glaube fällt unter den Aberglauben, denn man glaube, dass nur so der Deichbau wirklich gelänge. Paradoxerweise hatten die Deichbauer recht, der Deichbau war in der Tat nicht erfolgreich, sondern mündete in der Katastrophe. Doch ob dies seine Ursache in dem fehlenden Opfer hat, das kann bezweifelt werden.
Weitere Themen im Schimmelreiter
Neben dem Konflikt von Glauben und Aberglauben gegen die Wissenschaft ist auch der Konflikt zwischen den Menschen innerhalb einer sozialen Gruppe ein Thema. Hauke wird durch seine Position, sein Wissen und seine Sicht der Welt zu einem Außenseiter, der von allen Seiten kritisiert wird und sich zunehmend unwohl fühlt.
Der offensichtlichste Konflikt im Schimmelreiter ist aber der Konflikt der Menschen gegen die Natur, da man als Mensch der Natur zuwider handelt, wenn man Deichbau betreibt. Im Zuge dessen wird der Meeresboden zu Land gemacht und das Meer wird gewaltsam mit Hilfe von Deichen und Lahnungen zurück gedrängt.



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